Als spezialisierte Hundepraxis gehört die Therapie von Arthrosen, vor allem bei Hunden mittleren und hohen Alters, zur täglichen Arbeit. Es ist in den letzten Jahren stark auffällig, dass der Einsatz von Gabapentin in der Tierarztpraxis exponentiell zugenommen hat. Dies liegt leider auch an dem Umstand, dass vereinzelte Protagonisten der Schmerztherapie dies auch propagieren und durch Referate von Pharmaunternehmen auch noch gezielt gestützt werden.

Nur eines ist klar, wenn man die Definition der verschiedenen Einsätze für Gabapentin liest, kurz und gut: Gabapentin hat bei Arthrosen keine therapeutische positive Wirkung, da der Arthroseschmerz weder neuropathisch ist noch im Zusammenhang mit der Entstehung von Epilepsien steht. Die Arthrose ist wohl ein chronischer Schmerz (seit längerer Zeit vorhanden), hat eine chronifizierende Tendenz (Folgeauswirkungen als Beispiel auf die Bewegung), dies rechtfertigt jedoch sicher nicht den Einsatz von Gabapentin.

Per definitionem ist der Arthroseschmerz dadurch gekennzeichnet, dass er beim Einlaufen vorhanden ist, unter Belastung dann besser wird und vor allem wieder bei starker Überlastung zum Tragen kommt. Beim Hund mit einer Hüftarthrose ist dies nach gut einer Stunde oder etwas mehr der Fall. Gerade die Chronifizierung in der Bewegung ist augenfällig. Als Beispiel bei der Hüftgelenksarthrose zeigt der Hund eine verminderte Hinterhand-Aktivität, einen schwankender Gang, enge Stellung der Hinterbeine in der Bewegung, Mühe bei der Treppe und Unwilligkeit ins Auto zu springen. In diesem Fall verändert sich die Hinterhand von einer aktiven und Schub-entwickelnden Bewegung zu einer passiven und reduzierten Tätigkeit der Hinterhand. Kompensatorisch zeigt die Vorhand dafür einen pull-move, dies bedeutet, der Hund zeigt eine gezogene Bewegung aus der Vorhand. Dies kann sehr eindrücklich mit der Kinematik aufgezeigt werden, vor allem mit der Stütz- und Schwingphasen der Gliedmaßen.

Der Arthroseschmerz

Der Schmerz bei Arthrosen ist durch zwei Komponenten gekennzeichnet:

  1. Die mechanische Irritation
  2. Die Entzündung durch die Fehl- und Überlastung

Es ist somit klar, dass damit keine Strukturen des Nervensystems verletzt sind und somit keine Schmerzen der Nerven oder Nervenendigungen vorhanden sind und somit Gabapentin in diesen Zusammenhängen nur wenig Einfluss nehmen kann. Auf das Thema der Arthrose werden wir in den nächsten Newsletter nochmals grundlegend eingehen. Und nun zurück zum Thema Gabapentin.